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Polen Riesengebirge ( Karkonosze)

 

 

Dieser Besuch im Riesengebirge 2006 mit Freunden/Freundinnen ist eine Fahrt in die eigene Vergangenheit. Meine Großeltern und meine Mutter haben vor dem Krieg viele Jahre in Fischbach (Karpniki) gelebt. Und ich bin in Hirschberg (Jelenia Gora) geboren. Allerdings bin ich schon als Baby mit meiner Mutter und meinem Bruder in den Westen geflüchtet. Ich kann mich also an nichts erinnern. Nur durch die vielen Erzählungen meiner Mutter und meiner Großeltern habe ich eine gewisse Beziehung zum Riesengebirge.

Das Riesengebirge (Karkonosze) ist der höchste und bekannteste Teil des Sudetengebirges, das sich von den Beskiden 300 km in nordwestliche Richtung erstreckt und die natürliche Grenze zwischen Polen und Tschechien bildet. Das für sein raues, wechselhaftes Klima bekannte Riesengebirge hat die höchsten Gipfel auf der polnischen Seite. Seine unteren Hänge sind dicht mit Tannen, Buchen, Birken und Kiefern bewachsen, die aber alle vom Waldsterben bedroht sind. Auf einer Höhe von rund 1100 m geht die Vegetation in zwergwüchsige Bergkiefern und andere Hochgebirgspflanzen über.

Dieses vorwiegend als Wandergebiet bekannte Gelände machte früher dem Schwarzwald als Deutschlands beliebtester Landschaft Konkurrenz. Der Gebirgszug mit dem sich ungewöhnlich schnell verändernden Wetter und den oft im Nebel verborgenen Gipfeln inspirierte die deutschen Romantiker. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus haben sich die für die Arbeiter geschaffenen Ferienheime geleert und der Zustrom aus anderen osteuropäischen Ländern hat sich verringert. Die oberen Regionen des Riesengebirges sind als Nationalpark geschützt. Kurz vor der Nationalpark-Grenze (Eintritt) liegen die wachsenden Urlaubsorte Schreiberhau (Szklarska Poreba) und Krummhübel (Karpacz), die sich als Ausgangspunkte für eine Wanderung durch das Gebirge am besten eignen, auch wenn sich Hirschberg (Jelenia Gora) und seine Vororte als durchaus annehmbare Alternativen anbieten. Da das ganze Gebiet verhältnismäßig kompakt ist (die Gesamtlänge des Karkonosze-Gebirges beträgt knapp 37 km) und das öffentliche, Verkehrsnetz gut ausgebaut ist, sind alle Wanderwege gut erreichbar.

Viele Pfade überqueren die Grenze zur Tschechischen Republik. Hier sind Grenzwächter stationiert, auf jeden Fall sollte man der Versuchung widerstehen, die Grenze zu überschreiten, denn das ist illegal. Die Schilder sind eindeutig genug, so dass sich niemand mit mangelnden Sprachkenntnissen entschuldigen kann. Allerdings gibt auf dem Kamm des Gebirges den so genannten Freundschaftsweg, der mal auf tschechischer - und mal auf polnischer Seite verläuft. Das ist erlaubt. Auch die Bauden (Hütten) auf beiden Seiten sind frei zugänglich.

Mein Freund Detlef aus Bonn hat für uns einen geeigneten Wagen für 7 Personen (9-Sitzer) gemietet. Allerdings war die Versicherung nicht bereit, den Wagen gegen Diebstahl in Polen (osteuropäische Länder)  zu versichern. Also haben wir auf den Wagen selbst aufpassen müssen. Es ist aber gut gegangen.

1. Tag (25.8.06)

Da unsere Freunde/Freundinnen in Bonn, Reinfeld und Maulbronn wohnen und wir in Ostfriesland,  haben wir uns in Hannover getroffen. Dann weiter mit dem Auto über Magdeburg, Dresden nach Görlitz. Nach Grenzübertritt (Wartezeit ca. 1/2 Stunde) auf der gut ausgebauten Strasse nach Hirschberg (Jelenia Gora). Weiter zu unserer Pension in Krummhübel (Karpacz) direkt am Fuße der Schneekoppe. Gegen 19:00 Uhr haben wir unser Ziel erreicht.

 

2. Tag (26.8.06)

Heute wollen wir den Ort Krummhübel (Karpacz) kennen lernen und zu der berühmten Kirche Wang laufen.

In dem kleinen Gebirgsdorf Brückenberg (gehört jetzt zu Karpacz) steht die Kirche Wang. Diese aus dem Anfang des 13.Jh. stammende Stabholzkirche aus dem Ort Vang in Norwegen wurde für König Friedrich Wilhelm IV ersteigert.  Schließlich schenkte der König die Kirche der von ihm neu gegründeten evangelischen Pfarrei für die Bewohner der Gebirgsdörfer. Zwischen 1842 und 1844 wurde die Kirche hier wieder aufgebaut und neben ihr der massive Turm sowie ein Pfarrhaus mit Schule errichtet.

Krummhübel (Karpacz) gehört neben Schreiberhau (Szklarska Poreba) zu den beliebtesten Wintersportorten im Riesengebirge. Das Übernachtungsangebot mit Zimmern, Pensionen und Hotels ist riesig. Die Geschäfte haben westlichen Standard. Das Angebot an Restaurants und anderen touristischen Möglichkeiten ist ebenfalls groß. Eine große Sommerrodelbahn ist auch vorhanden. Ein Sessellift führt zur Kleinen Koppe (1377), um von dort zu Fuß zur Schneekoppe (1602) oder zu einer Kammwanderung aufzubrechen.

 

3. Tag (27.8.06)

Da das Wetter einigermaßen trocken ist, wollen wir mit dem Lift zu einer Kammwanderung aufbrechen. Da wir den Wagen auf dem Liftparkplatz nicht stehen lassen wollten, hat unser Hauswirt den Wagen gefahren und uns zum Lift gebracht. Auf die Schneekoppe sind wir nicht gestiegen, da wir nicht alle über die gleichen Fitness-Stand verfügen. Also sind wir Richtung Westen auf dem Kamm bis zum Kleinen Teich und dann weiter zum Großen Teich gewandert. Wunderschön. Hinter dem Großen Teich sind wir dann  in Richtung Karpacz abgestiegen. Diese Strecke war für Ungeübte etwas beschwerlich, aber wir sind heil bei der Kirche Wang wieder in Karpacz angekommen.

        

   

4. Tag (28.8.06)

Da das regnerische Wetter für eine Bergwanderung ungeeignet war, haben wir einen Ausflug nach Breslau (Wroclaw) gemacht. Von Krummhübel ca. 120 km entfernt. Den ersten Halt machten wir in Striegau (Strzegom ).Schon weitem sieht man die St. Peter und Paul Kirche. Baubeginn 1305. Das Dach des Kirchenschiffes erreicht eine Höhe von 26m. Im Jahre 2002 hat Papst Johannes Paul II der Kirche den Titel "Kleinere Basilika" (Basilica Minor) verliehen. Dann weiter nach Breslau. Aus Fernsehberichten wussten wir zwar, das Breslau wieder eine schöne Stadt sei, aber die Realität hat uns sehr überrascht. Zumindest der Altstadtbereich ist hervorragend restauriert und in einem tadellosen Zustand. Eine wirklich schöne Stadt.

Außer einem Rundgang über den schönen Marktplatz haben wir die Kirchen auf der Oderinsel und den Dom besichtigt. Außerdem unternahmen wir eine kleine Bootsfahrt auf der Oder. Außerhalb der Altstadt macht Breslau den gleichen Eindruck wie jede andere westliche Großstadt. Breslau ist eine Reise wert.

   

    

5. Tag (29.8.06)

Heute haben wir uns meine Geburtsstadt Hirschberg (Jelenia Gora) angesehen.

Nach der Legende wurde der König Bolesław Krzywousty während der Hirschjagd durch Schönheit jener Gegend bezaubert und beschloss an dieser Stelle die Burg zu bauen. Ob diese Legende wahr ist, weiß niemand, aber schon im 11.Jh. war diese Gegend bewohnt, wovon die Ausgrabungen und gebliebene Burgtrümmer auf dem Krzywoustyhügel zeugen. Die ersten Erwähnungen über die Stadt stammen aus dem 12.Jh. Hirschberg gehörte zu Tschechien, Österreich, Deutschland und schließlich zu Polen. Heute ist Hirschberg die Hauptstadt des Bezirks und zählt etwa 80 000 Einwohner. Die Stadt ist eine Ausgangsbasis für die Wanderer im Riesengebirge.

Der schönste und interessanteste Teil der Stadt ist der renovierte Marktplatz mit seinen Laubengängen . Die Einkaufsstraße der Stadt ist die Fußgängerzone, 1 Majastr., an der sich die interessantesten Stadtdenkmäler befinden.

Das Rathaus - das klassizistische Gebäude wurde in den Jahren 1744-1749 gebaut. Es ist mit bunten Barockhäusern aus den 17. Und 18. Jh. umgegeben. Ganz besonders schön sind die Laubengänge rund um den Marktplatz. Viele kleine Geschäfte bieten hier ihre Waren an.

Heilig-Kreuz Kirche (Gnadenkirche) ist die größte und interessanteste Kirche der Stadt. Nach dem griechischen Kreuzplan gebaut (1709-1718), war es bis 1947 eine evangelische Kirche. Leider war die Kirche wegen Bauarbeiten geschlossen. Hinter der Kirche gibt es noch Barockgrabkapellen, die Reste eines bis Ende des 19.Jh. existierenden Friedhofs mit vielen deutschen Gräbern. Die waren allerdings 2006 in einem katastrophalen Zustand. Das soll sich aber gebessert haben.

   

          

Hirschberg ist eine schmucke, kleine Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und hat uns sehr gut gefallen.

Anschließend sind wir nach Fischbach (Karpniki) gefahren. Der Ort liegt etwa 12 km östlich von Hirschberg. Dort haben wir uns den Platz angesehen, wo meine Großeltern, mein Onkel und meine Mutter gelebt haben. Das Haus steht nicht mehr. Die Bilder rechts stammen aus dem Jahr 1938. Jetzt ist da nur noch eine Wiese mit ein paar Steinresten.

               

6. Tag (30.8.06)

Bei stürmischen, regnerischen Wetter haben wir eine Wanderung in der Umgebung von Krummhübel (Karpacz) gemacht. Die Tour führte uns von der Pension über Budniki nach Krzaczyna, dem früheren Steinseiffen (ein Vorort von Schmiedeberg (Kowary). Von dort über einen schönen Wanderweg zurück nach Karpacz. Wie schön wäre es erst bei gutem Wetter und Sonnenschein gewesen.

Unser Abendessen haben wir uns verdient.

     

7. Tag (31.8.06)

Heute, an meinem Geburtstag, regnet es heftig. An eine Wanderung auf dem Riesengebirgs-Kamm ist nicht zu denken. Also beschließen wir nach Görlitz zu fahren. Entfernung von Karpacz ca. 75 km. Da ich noch nie in Görlitz war, hatte ich überhaupt keine Vorstellung davon, wie schön diese Stadt ist. Wir waren begeistert. Heute kann ich die Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt Europas gut verstehen. Schade das die Stadt nicht gewonnen hat. (Und das sagt einer, der in Lübeck groß geworden ist)

Das Auto haben wir im Parkhaus bei Karstadt abgestellt.  Dann am Dicken Turm vorbei die Elisabethstraße hinunter zur Ochsenbastei mit Blick auf die Neiße. Weiter zur "östlichsten Gaststätte" Deutschland am Neißewehr. Dort haben wir die schöne Aussicht genossen.

Nächster Punkt war die Peterskirche. Auch diese Kirche hat mich beeindruckt, nicht nur wegen der Schönheit, sondern auch durch die sehr gut erklärten historischen Informationen im Inneren der Kirche. Beispielhaft.

Weiter geht's zum Untermarkt und dann durch die Brüderstrasse zum Obermarkt. Durch einen Hinweis einer freundliche Verkäuferin haben wir auch noch den frisch restaurierten Wilhelmplatz angeschaut. Sehr schön.

Auch für Görlitz braucht man mehr Zeit als nur ein paar Stunden. Ich werde zurück kommen.

   

  

8. Tag (1.9.06)

Heute wollen wir, egal wie das Wetter ist, noch mal auf den Riesengebirgskamm. Wir wollen die Elbquelle sehen. Also fahren wir nach Schreiberhau (Szklarska Poreba) um mit dem Lift auf den Reifträger (1362 m) zu fahren. Oben erwartete uns eine dicke Nebel -Wolkenschicht. Sichtweite ca. 50 m. Trotzdem sind wir bis zur Elbquelle gelaufen. Die Elbe hat für mich einen besonderen Stellenwert. Ich habe nie weit entfernt von der Elbe gewohnt und letztes Jahr bin ich mit dem Fahrrad (siehe "Radfahren" auf dieser Homepage) von Cuxhaven bis nach Dresden gefahren. Deshalb war die Besichtigung der Elbquelle für mich wichtig.

Auf dem Rückweg haben wir in der "Vosecka Baude" (Tschechien) gerastet. Wir konnten mit Euro bezahlen. Dann wieder mit dem Lift nach Schreiberhau.

   

9. Tag (2.9.06)

Rückfahrt nach Hannover, Trennung von den Freunden und dann weiter mit der Bahn nach Ostfriesland.

Ich jedem nur empfehlen, sich dieses wunderschöne Gebirge anzuschauen und zu erleben. Völlig anders (nicht besser) als Schwarzwald oder Alpen. Es lohnt sich wirklich. Die Preise (Stand 2006) kann man einfach beurteilen: Für ein Essen, das bei uns 20,00 € kostet, bezahlt man z.Z. in Polen ca. 20,00 Sloty =5,26 €. Ein Bier (0,5 ltr) kostet ca. 1 € je nach Marke. Ich habe überwiegend Pilsener Urquell getrunken.

Kurs: Stand 2006   1 € = ca. 3,80 Sloty (Kurse wechseln täglich geringfügig)

Für unsere Pension haben wir 15,00 € per Person mit einem hervorragenden Frühstück bezahlt. Die Zimmer waren einfach, aber sauber, mit WC und Dusche . Der Pensionsinhaber sprach ausreichend deutsch.

Wenn Polen der Eurozone beitritt, wird sich das bestimmt ändern.

Für alle meine Fotos auf dieser Website: © Uwe Steen/usteen

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